Die Cockett-I-Perforansvenen

Prof. Dr. Cristopher Lattimer und Prof. Dr. med. Hans-Joachim Günther

Einführender Kommentar von Prof. Dr. Cristopher Lattimer

Chris Lattimer MBBS FRCS MS (Thesis) PhD Hon Consultant Vascular Surgeon & Senior Lecturer Ealing Hospital & Imperial College

Die Bedeutung der Knöchelregion in der Behandlung von Venenerkrankungen darf nicht unterschätzt werden.Hier finden sich die ersten Anzeichen von Hautverfärbungen (Pigmentation), von Ekzemen, Ulzerationen, die in den späteren Stadien der venösen Erkrankungen dann generalisiert auftreten. Der hohe venöse Druck in der Knöchelregion ist die primäre Ursache für die krankhaften Hautveränderungen. Die Ursache dafür liegt darin, dass es in der Knöchelregion keinen aktiven Transport vom oberflächlichen zum tiefen Beinvenensystem gibt. Die Cockett-I-Perforansvenen befinden sich zwischen Innenknöchel und Achillessehne. Hier herrscht der größte venöse Druck auf die distalen Venen (ca. 90 mm Hg). Ein direkter Druck auf diese Perforansvenen hat das Potential, den venösen Druck des oberflächlichen Venensystems zu reduzieren und dadurch einen erhöhten Flow in das tiefe Beinvenensystem zu ermöglichen. Alle Methoden, den venösen Druck in der Knöchelregion zu reduzieren, können sowohl Spätschäden verhindern oder vermindern, Schmerzen reduzieren und ein Abschwellen des Beines bereits im Frühstadium verhindern oder lindern. Im Folgenden wird eine neue Methode der intermittierenden Kompression vorgestellt, welche diese Effekte bewirken kann.

Der Artikel im JP Vascular Laboratory von Prof. Dr. med. Hans-Joachim Günther:

Das Teveno-Prinzip:
Entscheidend für den Rücktransport des venösen Blutes aus den Beinen zum Herzen ist die sogenannte Wadenmuskelpumpe, die aber nur beim Anspannen der Wadenmuskulatur beim Gehen bzw. bei jeder Dorsalflexion im Sprunggelenk funktioniert. Ein kontinuierlicher Flow in den tiefen Beinvenen wäre aber aus phlebologischer Sicht wünschenswert, da die Gefahr einer tiefen Beinvenenthrombose geringer wird, je kontinuierlicher und besser der Flow im tiefen Beinvenensystem ist. Ein neues Prinzip, um den Flow im tiefen Beinvenensystem zu erhöhen, ist das Prinzip der intermittierenden Kompression der Cockett I – Perforansvenen.

Probanden und Methode:
Prospektive Analyse des Flows in der V. poplitea bei 100 Probanden (34 m/67 w) mittels farbcodierter Duplexsonografie unter verschiedenen Bedingungen: Beim Stehen, beim Zehenstand und beim Zurückgehen auf die Ferse jeweils mit oder ohne Tragen eines Kompressionsstrumpfes (Kl. II), dto. unter Verwendung des speziell entwickelten Sockens (TeVenoR), der bei jeder Belastung der Ferse eine aktive Kompression der Cockett I-Perforansvenen ausübt. Im Anschluss an die Untersuchung der Probanden erfolgte eine Anwendungsbeobachtung bei 48 Probanden.

Ergebnisse:
Beim Stehen in Ruhe war der venöse Rückfluss in der V. poplitea mit durchschnittlich 3,8 cm/sec. sehr gering. Dies ist auch der Grund, warum bei längerem Stehen oder Sitzen die Beine anschwellen können, weil die Wadenmuskelpumpe nicht betätigt wird. Nach dem Zehenstand, also nach Steigerung des venösen Rückflusses durch die Wadenmuskelpumpe, kommt es bei dem Zurückgehen auf die Ferse mit Entspannung der Wadenmuskulatur zu einem Anstieg des Flows in der V. poplitea auf ca. 10 cm/sec ohne Kompressionsstrümpfe und mit Kompressionstrümpfen auf ca. 12 cm/sec. Durch die intermittierende Kompression der Cockett I-Perforansvenen (ICCV) kommt es zu einem Anstieg des Flows in der V. poplitea auf durchschnittlich 24,4 cm/sec.

Schlussfolgerung:
Durch das Prinzip der intermittierenden Kompression der Cockett I-Perforansvenen ist der Flow im tiefen Beinvenensystem signifikant höher als bei der normalen Wadenmuskelpumpenfunktion. Dieser höhere und kontinuierlichere Flow im tiefen Beinvenensystem kann das Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose deutlich mindern. Eine Anwendungsbeobachtung bei 48 Probanden zeigte eine signifikante Reduzierung der Schwellneigung der Unterschenkel- und Knöchelregion bei einfacher Anwendung der TeVenoR-Socken im täglichen Gebrauch.

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